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Aktualisiert 2. Mai 2012
La Isla Bonita - Eine wechselvolle Geschichte

Idafe - Kultplatz der Guanchen in der Caldera de Taburiente
Guanchen-König als Denkmal von Mencey
Guanchenversammlung
Guanchen vor einer Höhle
Ausschnitt aus der Weltkarte des Claudius Ptolemaeus
Guanchen bei Felsritzungen - La Zarza
Galeere auf dem Weg nach Indien
Anlandung der Eroberer auf den Kanarischen Inseln
Kolumbus - Der endgültige Entdecker Amerikas
Santa Maria - Flaggschiff von Kolumbus in Orginalgröße in Santa Cruz de la Palma
Gold-Dukate der spanischen Könige
Zuckerrohr vor der Weiterverarbeitung
Francis Drake
Typische Hafenszene aus dieser Zeit
Bananen aus La Palma
Leben auf dem Lande ca. 1930
Franco
Der moderne Flughafen im Modell
Moderne Ferienanlage auf La Palma
Mythen und Legenden
Viele Mythen und Legenden ranken sich um die Geschichte der
Kanarischen Inseln. Wie nahezu jedes Archipel westlich der
"Säulen des Herakles" (Bezeichnung des Atlantik in der griechischen
Antike), auch die Kanarischen Inseln von einigen für die Überreste
des von Platon erwähnten, lange versunkenen Kontinents Atlantis
gehalten worden. Der Name der Kanarischen Inseln stammt jedenfalls
aus dem klassischen Griechenland, denn diese wußten bereit
von der Existenz der Inseln, die sie die "Glücklichen" nannten,
denn man vermutete, daß am Ende der Welt die Menschen völlig
sorgenfrei leben würden. Gesichert ist jedoch nicht, die Kanaren
damit gemeint waren.

Der Besiedlungsprozeß der Kanaren
Die Ureinwohner der Kanaren stammen nach neusten Forschungen
aus Nordafrika und sind Verwandte der Berber.
Zwischen 2000 und 1000 v.Chr. erreichten die Guanchen
die Kanaren. Diese sollen jedoch nur auf der Insel Teneriffa
gelebt haben, denn auf den Nachbar-Inseln trugen die Ureinwohner
andere Namen. Da jedoch alle Ureinwohner der Kanaren gleicher
Herkunft sind, wird der Begriff Guanchen für alle Altkanarier
verwendet. Die Ureinwohner von El Hierro nannten sich Bimbaches,
die Fuerteventuras Majos. Guanche setzt sich aus Guan -Mensch-
und che -weißer Berg-. Mit diesem Berg ist wohl der schneebedeckte
Teide auf Teneriffa gemeint. Also bedeutet Guanche eigentlich
Mensch aus Teneriffa. Die Guanchen lebten in Höhlen und,
wie die Funde der wenig ausgefeilten Werkzeuge und Waffen
bezeugen, handelte es sich um ein Volk einfachster Hirtenkultur.
Es wird vermutet, daß ca. 1100 v.Chr. die Phönizier während ihrer
ausgedehnten Handelsfahrten auf der Suche nach neuen Handels-
plätzen die Kanaren erreicht haben.
Nachdem Homer die Kanaren im 8. Jahrhundert v. Chr. besungen
hatte, erreichten um 500 v. Chr. die karthagischen Seefahrer Hanno
und Himilkon die Kanaren.

Zwischen dieser Zeit und 200 v. Chr. wandern weitere Siedler aus
Nordafrika ein und finden auf den Kanaren bereits Königreiche der
Guanchen vor.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. berichtet der römische Gelehrte Plinius
der Ältere über eine Expedition des König Juba II. von Mauretanien
zu den Kanaren. König Juba berichtete in seinen Werken über seine
Erfahrungen von einer Seexpedition zu den Kanaren. Plinius benutzt
den Begriff Insula Canaria für Gran Canaria. Der Feldzug des
mauretanischen Königs soll 24 n. Chr. statt gefunden haben.

Im Jahr 150 erstellt der alexandrinische Geograph Claudius Ptolemäus
eine recht genaue Karte der damals bekannten Welt. Die Kanaren
befinden sich dort an deren Ende. Auf dieser Weltkarte zeichnet
Ptolemäus auch einen Nullmeridian (Ferro-Meridian) ein, der durch
die Kanareninsel El Hierro führt, die damals den Namen Ferro trug.
Der Ferro-Meridian war neben dem Pariser Meridian, der bis 1884
am häufigsten genutzte Nullmeridian unter den christlichen,
seefahrenden Nationen.


Wiederentdeckung der Kanaren
Nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft über Europa,
gerieten die Kanaren fast 1000 Jahre in Vergessenheit, wodurch die
Guanchen ein abgeschiedenes Leben führen konnten. Es bestanden
nicht einmal direkte Kontakte zwischen den Guanchen der zerstreut
liegenden Inseln, denn sie hatten nach der Besiedlung schnell
die Fähigkeit des Schiffsbaus verloren. Dies sollte sich bei der
erneuten Entdeckung der Inseln durch die Europäer rächen.

Zufällig segelten die Genueser Brüder Vivaldi unmittelbar nachdem
die Kreuzfahrer 1291 Akko, die letzte Bastion der Christen im
Heiligen Land, verloren hatten, im gleichen Jahr auf den Atlantik
hinaus, um Afrika zu umrunden. Dies darf als Beginn der Kolonisierung
nicht nur der Kanaren angesehen werden, obwohl die Genueser
Brüder im Dunkel der Geschichte und des Meeres verloren gingen.
Jedoch, ... eine Idee war geboren.

Erst in der Renaissance wurden die Kanaren von Seefahrern vom
Schlag der Vivaldi-Brüder, wiederentdeckt. 1336 folgte ein gewisser
Lanzarote Malocello den Spuren jener Genuesen und landete auf der
nach ihm benannten nordöstlichsten der Kanareninseln. Im Laufe
desselben Jahrhunderts trafen Expeditionen aus Italien, Portugal,
Mallorca und Katalonien ein. Schon diese ersten Eroberer
entdeckten das gemäßigte Klima des Archipels.

Eroberung der Kanaren
Nun gerieten die Guanchen in den Strudel des Sklavenhandels,
um in den aufkeimenden Zuckerrohrplantagen der Weißen zu arbeiten.
Zuerst auf Madeira und dann zunehmend auch auf den Kanaren.
1342 sind dann die ersten Sklaven von den Kanaren auf Mallorca
aufgetaucht. Die Guanchen wurden bei der harten Arbeit des
Herausmeißelns der Wasserkanäle aus dem nackten Fels der
zerklüfteten Inseln gebraucht. Während die Portugiesen mit der
wirtschaftlichen Ausbeutung Madeiras beschäftigt waren, wandten
sich die Spanier den Kanarischen Inseln zu.
Sie eroberten in lang anhaltenden Kämpfen von 1478 bis zum Ende
des Jahrhunderts alle Inseln. Die Eroberung La Palmas durch
Alonso Fernández de Lugo dauerte von 1492 bis 1496.

Kolonisierung der Kanaren
Viele Guanchen kamen in den Kämpfen um, oder stürzten sich
lieber in den Tod, als sich zu unterwerfen, wurden in die Sklaverei
gezwungen und zum Christentum bekehrt. 4000 von ihnen sollen
damals auf La Palma gelebt haben, wird geschätzt.

Nun stand der Eingliederung der Kanaren ins Königreich Kastilien
nichts mehr im Wege und die Kanaren, wie auch La Palma konnten
ungehindert wichtiger Stützpunkt für die jenseits des Horizonts
liegenden Ziele dienen. Praktisch zeitgleich mit der Eroberung
La Palmas verlief die Entdeckung der ”Neuen Welt” durch
Kolumbus und seine späteren Mitstreiter.

Kastilische Herrschaft
Durch ihre geographische Lage waren die Kanaren als letzte
europäische Station vor der Atlantiküberquerung von enormer
strategischer Bedeutung. Daher begann die Krone Kastiliens
Gran Canaria zu ihrem politischen Zentrum auszubauen. Hier war
der zentrale Bischofssitz, das Tribunal der Heiligen Inquisition,
der Gerichtshof, u.v.a.m. für die ganzen Kanaren.

Sklavenhandel
La Palma bot dagegen zuerst keinen schnellen Reichtum. Da weder
Gold noch Silber oder andere Bodenschätze vorkamen, versprach
nur der Handel mit Sklaven, sprich Guanchen, Gewinn. Trotz eines
päpstlichen Erlasses von 1434, der die Alt-Kanarier zu ”freien
Leuten” erklärt und den Menschenhandel auf den Inseln verboten
hatte, endete ein Großteil nach der Eroberung in der Sklaverei.
Ca. 300 Familien blieb dieses Schicksal erspart. Diese Palmeros
ließen sich nach und nach taufen und vermischten sich, nachdem
sie ab 1514 den Spaniern rechtlich gleichgestellt worden waren,
rasch mit den Eroberern. Noch bevor sich der Sklavenhandel auf der
Insel erschöpft hatte, verfolgten die Spanier ein lukrativeres Ziel.

Zuckerrohr - Erste Monokultur
Der Anbau von Zuckerrohr war zur damaligen Zeit das attraktivste
Agrarprodukt der Insel. Europäische Kaufleute, Handwerker,
Wein- und Ackerbauern wurden von den Gewinnen angelockt, um
Kapital und Know How in Zuckerverarbeitung zu investieren. Dazu
wurden riesige Flächen der damals noch stark bewalteten Insel
gerodet, um Brennholz zum Kochen der Melasse zu gewinnen.
Weitere wirtschaftliche Erfolge konnten die Inseln durch die Einfuhr
neuer Getreide- und Obstsorten aus dem Mittelmeerraum erzielen.
In dieser Zeit florierte der Weinanbau so daß sich bis zum Ende
des 17. Jahrhunderts die Wirtschaft auf die Erzeugung heimischer
Weine stützen konnte. Die Zuckerindustrie geriet allmählich in eine
Krise und man begann auf eingeführte Nutzpflanzen wie Kartoffeln
und Mais umzustellen.

Amerikahandel
Im 16. Jahrhundert bekam La Palma das Privileg, mit Amerika
Handel zu treiben. Schnell entwickelte sich Santa Cruz de La Palma
zu einem der wichtigsten Häfen Spaniens. So ist nicht verwunderlich,
daß Santa Cruz de La Palma im Laufe der Zeit stetig Piraten anzog,
die sich des Reichtums der Stadt bemächtigen wollten. Unter Befehl
von François Le Clerc plünderten 1553 Franzosen die Hafenstadt.
Was sie nicht mitnehmen ließ, wurde niedergebrannt. Nach diesem
Angriff wurden Kirchen, Klöster und Häuser noch prächtiger wieder
aufgebaut. Neue Verteidigungsanlagen verhinderten 1585 den Erfolg
eines Angriffs von Francis Drake. Der Handel mit Amerika ließ weitere
Erwerbszweige, wie den Schiffbau, die Herstellung von Segeln etc.
erblühen. Zahlreiche internationale Kaufleute kamen nach Santa Cruz
de la Palma und verliehen der Stadt entsprechendes Flair.

Wirtschaftliches Auf und Ab
Doch der Niedergang setzte bereits Mitte des 17. Jahrhunderts ein.
Ein Erlaß von 1657 bestimmte, daß alle Schiffe auf dem Weg nach
Amerika in Teneriffa registriert werden und dort Abgaben entrichten.
Der Handel im Hafen von Santa Cruz de La Palma kam damit nahezu
zum Erliegen. Zwar gab König Carlos III. 1778 den Amerikahandel für
alle spanischen Häfen frei, doch konnte sich die Stadt nie mehr
von der Wirtschaftskrise erholen.

Immer wieder Monokulturen
Abgesehen von Piratenangriffen erlebte La Palma doch ruhige Zeiten.
Von jeder Wirtschaftskrise erholte sich die sehr fruchtbare Insel
immer relativ schnell. Nach Zucker und Wein ließ sich auch mit
Bienenwachs und Honig, mit Tabak, als auch Seide gutes Geld
verdienen. Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts pflanzte man auf
La Palma Maulbeerbäume, La Palma wurde in der Seidenherstellung
auf den Kanaren führend. Um 1830 wurde die aus Mexiko stammende
Cochenille-Laus eingeführt, eine Schildlaus, die einen begehrten
karmesinroten Farbstoff liefert. Mit der Erfindung der Anilinfarbe
um 1880 setzte diesem Wirtschaftszweig jedoch ein rasches Ende.
Diese Krise wurde durch den intensiven Bananenanbau, den zwei
englische Gesellschaften ab 1878 auf die Kanaren gebracht hatten.

Hunger - Das Leben auf dem Lande
Jedoch profitierte das einfache Volk auf dem Land von dem auf
La Palma erwirtschaften Reichtum wenig. Noch im 19. Jahrhundert
lebten die Bewohner in strohgedeckten Holzhütten, wohlhabende
Landbewohner konnten sich nur niedrige Bruchsteinhäuser leisten.
Oft bereitete die Versorgung mit Lebensmitteln große Probleme.
Da man auf der Insel vorwiegend in Monokulturen anbaute, reichte
die Ackerfläche für den Anbau von Grundnahrungsmitteln nicht aus.
Schon im 16. Jahrhundert mußte Getreide sehr teuer importiert
werden. Als das Domkapitel von La Palma einmal seinen Zehnten
in Weizen aus dem Getreidespeicher forderte, weigerte sich die
Bevölkerung einhellig und entschlossen, auf diese Art die Steuern
zu begleichen, woraufhin der Inquisitor über die Insel den
Kirchenbann verhängte und, infolge einer Mißernte, einige Jahre
niemand christlich beerdigt wurde.
Die Hungernöte auf dem Lande führten zu Auswanderungswellen
in die Karibik und nach Venezuela.

Bürger- und Weltkrieg
Die gute geostrategische Lage wurde den Kanaren im spanischem
Bürgerkrieg 1936-1939 und anschließend im 2.Weltkrieg
zum Verhängnis. Die Inseln befanden sich wieder in Not.
Versorgung vom Festland fand so gut wie nicht statt, da Spanien
selbst große Not litt.

Noch eine Monokultur? - Tourismus
Während in den Fünfzigern und Sechzigern des 20. Jahrhunderts
der Tourismus auf den großen Inseln begann und Arbeitsplätze
schuf, verharrte La Palma noch lange im Dornröschenschlaf.
Abseits der Tourismusströme und der Gelder der Zentralregierung
konnte erst der Tod Francos 1975 und die Demokratisierung
und damit auch die Annährung an Europa Weiterentwicklung
ermöglichen. Nun begann mit Hilfe besserer Infrastruktur
langsam die Bevölkerungszahl zu steigen. Der Boom, deren
Schatten die anderen Inseln, mit der Ausnahme El Hierros,
bereits erreicht hatte, kam spät, erst in den Neunzigern.
Immer mehr Menschen wollten und konnten in dem frühlingshaften
Klima der Insel Urlaub machen und viele entschieden, zu bleiben.
So begann nicht nur der Tourismus, Arbeitsplätze zu schaffen.
Das Baugewerbe garantierte gutes Auskommen, da immer frisches
Kapital der Insel zufloß. Auch die Subventionspolitik der EU
für die Landwirtschaft garantierte hohe Gewinne für die Besitzer
des Landes und auch der Wasserrechte.

Ausblick
Die zunehmende Öffnung der Insel zum europäischen Prozeß,
hat die Hungersnöte und Armut in weiten Teilen beseitigt.
Die wirtschaftlichen Gewinne jedoch fließen nach wie vor
Interessen zu, die den nachhaltigen Erhalt der komplexen
Natur der Insel zuwiderlaufen. So befinden sich der Ausbau
der Tourismus-Infrastruktur und die intensive
landwirtschaftliche Nutzung in zunehmendem Gegensatz zur
Erhaltung der Ressource Natur.
Es ist noch nicht entschieden, ob die Insel die Fehler anderer
Tourismuszentren zu vermeiden versteht.